Architektur im Kontext 2026:
Aline Hielscher, Leipzig – Rückblick
Über das Weiterbauen
Montag 23.03.2026, 19:00 Uhr
Vortrag
Veranstalter: LWL mit BDA Münster-Münsterland
Ort: LWL-Museum für Kunst und Kultur, Domplatz 10, Münster
Architektur in Kontext: Aline Hielscher, Leipzig - Foto: Markus Bomholt

Architektur in Kontext: Aline Hielscher, Leipzig - Foto: Markus Bomholt

Von Leipzig nach Paris und zurück: Aline Hielschers Lebensweg gleicht einer kunstvollen Erzählung. Zum Abschluss der Vortragsreihe „Architektur im Kontext“ sprach die Architektin in Münster auf Einladung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und des BDA Münster-Münsterland über ihr Werk. Rund 300 Zuhörer:innen folgten ihrem Vortrag, der das Thema Weiterbauen lebendig und anschaulich beleuchtete.

In Leipzig geboren und in einer Plattenbausiedlung aufgewachsen, begann Hielscher zunächst ein Studium der Innenarchitektur an der FH Wismar, Studienort Heiligendamm. Der Kontrast zwischen der Großsiedlung ihrer Kindheit und der Villenarchitektur des Ostseebades hätte kaum größer sein können – und weckte ihre Neugier auf die großen Fragen von Stadt und Raum.

Anschließend studierte sie Architektur an der TU Dresden und absolvierte ein Masterstudium an der FH Potsdam, das sie 2003 bei Prof. Manfred Ortner abschloss. Ihre Abschlussarbeit „Niederlassung der Kulturstiftung Osteuropa in Berlin“ erhielt beim bundesweiten Taut-Preis eine Anerkennung.

2004 zog es Hielscher nach Paris. Im Vergleich zu Berlin bot die französische Hauptstadt jungen Architekt:innen damals deutlich mehr Chancen. Sie arbeitete in renommierten Büros wie denen von Marc Mimram, Dominique Perrault und Cuno Brullmann an großen Projekten. Besonders prägend war ihre Mitarbeit an der Sanierung des CNIT (Centre des nouvelles industries et technologies). Die weitgespannte Halle, 1956 bis 1958 von Jean de Mailly, Robert Camelot, Bernard Zehrfuss und Jean Prouvé als eines der ersten Gebäude im Geschäftsviertel La Défense errichtet, wurde bei der jüngsten Sanierung zum Kongresszentrum umgestaltet. Hielscher begleitete die Restrukturierung vor Ort.

2009 machte sie sich in Paris mit privaten Umbauprojekten selbstständig.

Nach zwölf Jahren in der französischen Hauptstadt kehrte sie 2016 nach Leipzig zurück und führt dort mit fünf Mitarbeitenden ihr Büro. Seitdem entwirft sie Räume und Strukturen jeder Größenordnung – vom Städtebau bis zum Möbel, vor allem Wohnbauten und Kindergärten. Alvar Aalto, dessen Bauten sie intensiv studierte, nennt sie als prägende Figur für ihr Verständnis von Architektur in allen Maßstabsebenen. 2025 erhielt sie für den Umbau einer Telefonzentrale in eine Kindertagesstätte in Merseburg die BDA Nike „Umgang mit dem Bestand“.

Als Vertreterin einer neuen Architekt:innen-Generation leitete Hielscher jüngst die Jury des DAM-Preises 2026 des Deutschen Architektur Museums in Frankfurt am Main. Die Jury zeichnete verstärkt Umbauprojekte aus, die architektonische Standards neu definieren und eine Debatte über zeitgemäße Architektur anstoßen sollen. Ein hoher Anspruch – doch Hielscher liefert auch mit ihren Bauten einen authentischen Ansatz. Sie versteht das Weiterbauen als großes Potenzial, indem sie zeigt, wie auch Alltagsarchitektur im Kontext gelingen kann. Der Vortrag setzte einen gelungenen Schlusspunkt unter die diesjährige Vortragsreihe.

Ein Vortragsvideo ist in Kürze zu finden unter: www.lwl-baukultur.de