Josef Franke (1876-1944):
Architektur als Aufbruch – Rückblick
Architektur als Aufbruch – Rückblick
Was können wir aus seinen Bauten heute lernen?
Donnerstag 12.03.2026, 18:30 Uhr
Festakt zum 150. Geburtstag
Veranstalter: Stadt Gelsenkirchen
Ort: Heilig-Kreuz-Kirche. Bochumer Straße 115, 45886 Gelsenkirchen

Josef Franke: 150. Geburtstag - Festakt in Gelsenkirchen - Foto: Stadt Gelsenkirchen / Gerd Kemper
Am vergangenen Mittwoch (12.3.26) versammelten sich rund 150 Gäste in der Heilig-Kreuz-Kirche in Gelsenkirchen-Ückendorf, um auf den Tag genau den 150. Geburtstag des Architekten Josef Franke (1876–1944) zu feiern. Mit dem Festakt würdigte die Stadt einen Baumeister, der ihr Gesicht entscheidend geprägt hat – wie es auch zu Beginn die Oberbürgermeisterin Andrea Henze zum Ausdruck brachte. Inmitten der seinerseit durch Zechen stark wachsenden Stadtteile boten die Franke-Bauten Ankerpunkte einer öffentlichen Infrastruktur. Zu seinen bedeutendsten Werken in Gelsenkirchen zählen die Heilig-Kreuz-Kirche, das Depot und Verwaltungsgebäude der Bogestra, das Ricarda-Huch-Gymnasium, das Wasserwerk, die Glückauf-Brauerei in Ückendorf, das Haus Ringeck in der Altstadt, der Hochbunker an der Arminstraße, die Siedlung Blumendelle in Schalke und die Dreifaltigkeitskirche im Haverkamp.
Insgesamt entwarf Franke über 163 Gebäude, von denen 90 (zumeist im Ruhrgebiet) realisiert wurden, darunter 32 Kirchen. Sein Schaffen reicht vom kritischen Historismus bis zur Neuen Sachlichkeit. Besonders im Backsteinexpressionismus fand er seine stärkste Ausdrucksform, etwa in der Heilig-Geist-Kirche, die als sein Schlüsselwerk gilt und zugleich Veranstaltungsort war.
Der Architekturhistoriker Prof. Dr. Wolfgang Sonne beschrieb Franke in seinem Vortrag als Großstadtarchitekten, der die Herausforderungen seiner Zeit annahm und moderne Bauaufgaben meisterte: Neben Kirchen entwarf er Wohnhäuser, Verwaltungs- und Geschäftshäuser sowie Schulen.
Franke starb 1944 im Alter von 67 Jahren und geriet zunächst in Vergessenheit. Erst in den 1980er-Jahren wurde sein Werk wiederentdeckt. 1986, zu seinem 110. Geburtstag, organisierte die Stadt eine kleine Ausstellung in der Stadtbücherei und begann mit ersten Denkmaleintragungen. 1989 erschien Maria Wegeners Dissertation über Franke. Zehn Jahre später rückte das Architektur-Kolloquium Bochum unter Leitung von Wolfgang Pehnt den Architekten erneut ins Licht der Öffentlichkeit – begleitet von einer Ausstellung und einem Buch.
Doch je mehr über Franke bekannt wird, desto drängender erscheinen die offenen Fragen. In der abendlichen Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Wolfgang Sonne (TU Dortmund, Baukunstarchiv NRW), Thomas Franke (Stadtplaner und Enkel von Josef Franke), Monika Güldenberg (Architektin, Vorstand BDA Gelsenkirchen) und Christoph Heidenreich (Stadtbaurat Gelsenkirchen) – die ich moderieren durfte – ging es um die Lehren aus seinen Bauten: Was können sie der heutigen Stadtentwicklung in Zeiten des Schrumpfens bieten? Umbaukultur statt Neubaukultur? Identität statt Maßlosigkeit? Einfaches, aber gutes Bauen? Und wie bewahren wir sein Erbe?
Während die Heilig-Kreuz-Kirche durch ihre gelungene Sanierung und Umnutzung bundesweit als Vorbild dient, verfallen andere Werke Frankes. Besonders das Ring-Eck-Hochhaus, das „Chilehaus von Gelsenkirchen“, birgt großes Potenzial. Mit einem durchdachten Konzept könnte es wieder zu einem Symbol des Aufbruchs werden.
Zum Abschluss des Abends überreichte die Familie Franke der Stadt ein originales Porträt des Architekten. Oberbürgermeisterin Andrea Henze nahm es dankbar entgegen – ein Geschenk, das zugleich als Auftrag verstanden werden kann. Musikalisch begleitet wurde der Abend von Noah Reis Ramma und Band (Piano, Vocals, Gitarre) mit Jazz, der einen Franke-Raum einmal mehr zum Klingen brachte. Ein starker Abend – in einer ebenfalls 150-jährigen Stadt, für die Aufbruch nie ein Fremdwort war.
Weitere Infos zum Programm
Pressemitteilung der Stadt Gelsenkirchen vom 13.3.2026: Architektur als Aufbruch




































