Thorsten Kock, Stuttgart – Rückblick

Architektur im Kontext: Thorsten Kock, Stuttgart - 9.2.26 - Foto: BDA / Markus Bomholt
Das Stuttgarter Büro bez + kock architekten hat in den letzten Jahren mehrfach neue Orte in Westfalen geschaffen: das Musikforum in Bochum, das Sauerland-Museum in Arnsberg und das Rat- und Bürgerhaus in Holzwickede. Doch auch internationale Projekte standen im Fokus. Rund 400 Zuhörer lauschten umso gespannter am vergangenen Montag Thorsten Kock, der auf Einladung des BDA Münster-Münsterland und des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) im Rahmen der Reihe „Architektur im Kontext“ einen Werkbericht präsentierte.
Kock, 1966 in Giengen an der Brenz geboren, begann seine Laufbahn mit einer Zimmererlehre, bevor er von 1987 bis 1995 Architektur an der Universität Stuttgart und der Georgia Institute of Technology in Atlanta (USA) studierte. Nach Stationen in verschiedenen Stuttgarter Büros gründete er 2001 mit Martin Bez das gemeinsame Architekturbüro. In den vergangenen 25 Jahren nahmen sie an rund 500 Wettbewerben teil.
Die Freude an neuen Aufgaben und Orten vermittelte Kock eindrucksvoll. Er erläuterte die Entwurfshaltung des Büros, die besonders beim Umbauen – oft an denkmalgeschützten Gebäuden – zum Tragen kommt. Jedes Projekt folgt dabei den Schritten „Typologie“, „Befund“ und „Gestalt“. Während die ersten beiden Phasen objektiv analysierbar sind, erfordert die „Gestalt“ den schöpferischen Architekten, der Bestehendes und Zukünftiges zusammenführt und formt.
An drei realisierten Projekten in Westfalen zeigte Kock diese Herangehensweise: In Arnsberg ergänzte das Büro ein barockes Stadtpalais um einen terrassenförmig abgestuften Neubau, verbunden durch eine Brücke. In Bochum schufen sie mit dem Anneliese Brost Musikforum Ruhr einen neuen Konzertort mit zwei unterschiedlich großen Sälen, erschlossen durch ein eindrucksvolles Kirchenfoyer. Und in Holzwickede erweiterten sie ein gründerzeitliches Rathaus zu einem lebendigen Bürgerhaus – jeweils durchdacht und elegant.
Internationale Projekte stellten das Büro vor andere Herausforderungen. In Tunesien entwarfen sie eine leichte, transparente Überdachung für den Museums- und Ausgrabungsbereich der historischen Zitadelle von Karthago. Trotz Wettbewerbsgewinn blieb der Entwurf bislang unverwirklicht – aus finanziellen Gründen. Ähnlich erging es bislang dem Plan für die Deutsche Botschaft in Chisinau, der Hauptstadt Moldaus. Hier sollte eine denkmalgeschützte, baufällige Villa aus dem 19. Jahrhundert um einen Kanzleitrakt ergänzt und zur Residenz des Botschafters umgebaut werden.
Der Abend zeigte einmal mehr, dass ambitionierte Baukulturprojekte bei der Umsetzung auf neugierige, engagierte und verantwortungsvolle Partner angewiesen sind – ob in Westfalen, Europa oder am Mittelmeer. Die Projekte in Westfalen wurden zuletzt mit verschiedenen BDA-Architekturpreisen prämiert. Ebenso wurden die Projekte in Bochum und Holzwickede jüngst beim Westfälischen Preis für Baukultur 2025 vom LWL ausgezeichnet – mit jeweils einer Anerkennung.
Ein Vortragsvideo ist zu finden unter: www.lwl-baukultur.de
Weitere Termine:
Die Vorträge beginnen jeweils montags um 19:00 Uhr im LWL-Museum für Kunst und Kultur (Domplatz 10, 48143 Münster).
02.03.2026, Prof. Felix Waechter, Waechter + Waechter Architekten BDA, Darmstadt
23.03.2026, Aline Hielscher, Aline Hielscher Architektur, Leipzig
Zum vollständigen Programm:












