A-Z Architekten:
Julia B. Bolles-Wilson (*1948), Peter L. Wilson (*1950) – Rückblick
Situativer Urbanismus: Über das Lesen von Stadträumen
25.11.2023
Veranstalter: BDA Münster-Münsterland und Stadtbücherei Münster
Ort: Stadtbücherei, Alter Steinweg 11, 48143 Münster
A-Z Architekten: Bolles-Wilson - Stadtbücherei Münster - Julia B. Bolles-Wilson/Peter L. Wilson - Foto: BDA/Markus Bomholt

A-Z Architekten: Bolles-Wilson - Stadtbücherei Münster - Julia B. Bolles-Wilson/Peter L. Wilson - Foto: BDA/Markus Bomholt

Dass die Stadtbücherei ein offenes Haus ist, konnte diese am Samstagabend (25.11.) besonders eindrucksvoll demonstrieren. Über 200 Zuhörer waren gekommen, um die Architektur des Hauses zu feiern. Zusammen mit dem BDA Münster-Münsterland hatte die Stadtbücherei zum 30. Geburtstagsfest geladen und eine besondere Ausgabe der Veranstaltungsreihe „A-Z Architekten“ veranstaltet. Leben und Werk des Architektenpaares Julia B. Bolles-Wilson und Peter L. Wilson wurden vom Architekten und Journalisten Stefan Rethfeld vorgestellt. Rahmende Worte sprachen Cornelia Wilkens als Kulturdezernentin, Cordula Gladrow als neue Leiterin der Stadtbücherei sowie Martin Behet als Vorsitzender des BDA Münster-Münsterland.

Die Stadtbücherei ging aus einem zweistufigen städtebaulichen Ideenwettbewerb (1985/87) hervor, umgesetzt wurde sie schließlich in den Jahren 1991-1993. Bolles-Wilson, in Münster geboren und aufgewachsen, wirkte seinerzeit in London, als sie vom Wettbewerb erfuhr. Mit Peter Wilson führte sie dort seit 1980 ein gemeinsames Büro, hervorgegangen aus gemeinsamen Studientagen an der Architectural Association (AA). Zuvor hatte sie in Karlsruhe bei Egon Eiermann und Ottokar Uhl studiert. Peter Wilson kam seinerzeit aus dem heimatlichen Melbourne zur AA nach London, wo er nach seinem Diplom 1974 fortan als Assistent von Rem Koolhaas und Elia Zenghelis sowie als Unit Master (bis 1988) wirkte.

 

Der gewonnene Wettbewerb sollte für das damalige Büro zum Schlüsselprojekt werden. 1989 verlagerte das Architektenpaar seinen Sitz nach Münster und bezog eine Fabriketage unmittelbar neben der Baustelle am Alten Steinweg.

 

Ihr Entwurf der neuen Stadtbücherei überzeugte vor allem aufgrund der beziehungsreichen Komposition der Baukörper zum historisch gewachsenen Umfeld. Zur Lambertikirche legte das Büro eine neue Fußgängerachse, das Krameramtshaus erhielt einen Vorplatz, auch Pelster-Haus und Kiffe-Pavillon wurden lebendig eingebunden. Ebenso unverwechselbar sollte das Innenleben sich gestalten – als neuartiger Lese- und Lernort mit vielen unverhofften Perspektiven.

 

Bei ihrer Eröffnung im November 1993 wurde die Stadtbücherei als neue Zutat in der Altstadt gefeiert. Auch die ehemalige und langjährige Leiterin Monika Rasche sowie Wilhelm Breitenbach als Vorsitzender des Freundeskreises der Stadtbücherei Münster ergänzten in einer gemeinsamen Gesprächsrunde den Blick mit ihren Erlebnissen.

 

Im Büro BOLLES+WILSON sollte eine Vielzahl von Projekten und Bauten international folgen – jüngst auch die Nationalbibliothek Luxemburg (2019). Die Prämissen einer narrativen Architektur blieben, abgelauscht von Stadtstrukturen, die verschiedentlich gelesen werden können.

 

Weitere Infos: bda-muenster.de