Das neue Theater in Münster

Theater Münster: Blick vom Innenhof auf Foyer und Treppenhaus mit widerspiegelnder Ruine - Foto: Stefan Rethfeld
Im Frühjahr 2026 feierte das neue Theater in Münster seinen 70. Geburtstag. Mit seiner Eröffnung am 4. Februar 1956 wurde es zum Ort des Aufbruchs für eine künftige Stadtgesellschaft. Der Entwurf des jungen Architektenteams – Harald Deilmann, Max von Hausen, Ortwin Rave und Werner Ruhnau – griff den vielschichtigen Kontext des Ortes auf und führte ihn unkonventionell weiter. Eine Strategie, die ein erstaunliches Erfindungsfeuerwerk zündete: vom Städtebau bis zur Architektur, von der Innenraumgestaltung bis zur Möblierung. Orientierung bot das internationale Architekturgeschehen. So entstand ein für Münster ungewöhnlicher Ort,der sich in allen großen und kleinen Details vom historisierenden Wiederaufbau unterschied.
Innovativ waren vor allem die räumlichen Bezüge zum historischen Umfeld. Der Neubau gab zugleich der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft Raum. Eine Einladung zum Träumen und Sinnieren, zu einer eigenen Wunschzeit. Die schöpferische Energie dieser gebauten Vision ist noch heute spürbar. Schon der Bauplatz war besonders: Das neue Theater entstand an historischer Stelle. Ein halbes Jahrhundert lang – von 1895 bis 1945 – lagen an der Neubrückenstraße die Kulturbauten der Stadt. Zusammen bildeten sie ein dichtes Kulturquartier. Benachbart standen der Romberger Hof, das Lortzing-Theater, die Stadthalle und – am Alten Fischmarkt – die Kammerspiele. Zusammen boten die Säle und Räume über 3.000 Sitzplätze. Auch der Gründungsort der Theaterstadt Münster, das fürstbischöfliche Komödienhaus am Roggenmarkt, lag nur gut hundert Meter entfernt.
Die Bomben des Zweiten Weltkriegs ließen von dem Kulturquartier kaum etwas übrig. Doch die untergegangenen Adressen wurden zum Ausgangspunkt für den Neubau. Jedes der Kulturgebäude hatte seine Vorgeschichte. Sie seien daher kurz skizziert. (…)
(…) Mit diesem heiteren Bau brach Münster in eine neue Zeit auf. Das Theater markiert das Ende des tradierten Wiederaufbaus und bleibt bis heute ein herausragendes Beispiel moderner Architektur in einer sonst traditionsbewussten Stadt. Die jungen Architekten verstanden das Theater als offene Figur für eine neu angestrebte Öffentlichkeit. Das Vergangene wurde zum Ausgangspunkt für einen Bau der Zukunft.
Quelle:
Denkmalpflege in Westfalen-Lippe, 2026.1 (S. 31-38)
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Bezug: Gedruckte Hefte über die Redaktion der LWL-DLBW (Dr. Gisela Woltermann). Auch liegt die Zeitschrift kostenlos am Eingang des Landeshauses in Münster aus.




